PartnerInnen in Europa:       UK       NL       PL
Clean Clothes

Arbeitsrechtsaktivistinnen aus Honduras zu Gast in Graz

Iris Oneyda Henríquez, ehemalige Näherin und Arbeitsrechtsaktivistin, und Yadira Rodríguez, Rechtsanwältin und Mitarbeiterin bei der Organisation EMIH („Equipo de Monitoreo Independiente de Honduras“ – „Team für unabhängige Kontrolle aus Honduras”), machten im Rahmen ihrer Europa-Tournee auf Einladung von Südwind/ Clean Clothes Kampagne auch in Graz Station.

An der Modeschule Graz und in einem LehrerInnenfortbildungsseminar an der Pädagogischen Hochschule berichteten sie über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den „Maquilas“ (Kleiderfabriken Zentralamerikas), vermittelten ein tieferes Verständnis dafür, wie die Kontrolle von Arbeits- und Menschenrechten in Zulieferbetrieben der Bekleidungsindustrie funktioniert und gingen auf die Stärken und Schwächen dieser Kontrollsysteme ein.



Modeschülerinnen (4A) aus Graz berichten:

Arbeitsbedingungen bei der Textilherstellung

Frau Rodríguez (Arbeitsrechtsexpertin) und Frau Henríquez (arbeitete 6 Jahre in einer Fabrik) erzählten uns von den Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnissen in den Bekleidungsfabriken von Honduras.
Wir als Modeschülerinnen sind natürlich sehr interessiert mehr darüber zu erfahren und sind immer wieder schockiert über die schlechten Verhältnisse bei der Herstellung von Textilien.
Etwas über die Bedingungen in Honduras zu erfahren war sehr aufschlussreich, bisher sind vor allem China, Bangladesch oder die Türkei für ihre schlechte Behandlung der Arbeiterinnen bekannt. Durch diesen informativen Vortrag haben wir viel dazugelernt: „Maquilas“ sind Bekleidungsfabriken, wo Fließbandarbeit herrscht. In Honduras gibt es 230 davon, in einer Fabrik sind 800 bis 1500 Arbeiterinnen beschäftigt. Von diesen 230 „Maquilas“ haben nur 11 eine Gewerkschaft, es ist sehr schwer eine zu gründen (es müssen sich 30 Leute finden), weil die Arbeiterinnen immer wieder bedroht werden und Angst um ihren Job haben müssen. Bevor man fix angestellt wird, gibt es eine Probezeit und man bekommt auch sofort Bedingungen.
An einem Kleidungsstück sind rund 15 Personen beschäftigt. An einem Tag mussten 800 Kleidungsstücke in der gesamten Fabrik hergestellt werden, dies konnte man immer sehr schwer erreichen, wenn sie es doch schafften, mussten sie in der nächsten Woche 1200 produzieren. An einem Arbeitstag, der 8 Stunden dauert, mussten bis zu 3 bis 4 Zwangsüberstunden gemacht werden. Es gab meistens keine Pausen und nicht einmal eine Gelegenheit etwas zu trinken. Das Mittagessen musste herunter geschlungen werden.
Diskriminierung gegenüber „Alten“ (über 30 Jahren hatte man keine Chance mehr einen Job zu bekommen), Schwangeren und Kranken waren die Regel.
Einmal im Jahr kommen Überprüfer in die Firma, um die Arbeitsbedingungen zu kontrollieren. Oft werden sie aber gar nicht in die Firma gelassen und wenn, dann sind die Verhältnisse um ein Vielfaches besser. Es ist auf einmal weniger zu nähen und eine angemessene Mittagspause wird auch gehalten. Die Arbeitenden werden erneut bedroht und dürfen nicht die Wahrheit über die Arbeitsbedingungen sagen. Sie haben zu sagen, dass es ihnen gut gehe und sie zufrieden mit ihrer Arbeit sind.
„Hofer“ und „Kik“ haben einen freien Verhaltenskodex. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeitenden sind sehr schlecht, oft werden sie geschlagen und erniedrigt.
Die meisten hergestellten Produkte (Textilien, auch Handtücher, Autobezüge, Accessoires oder Federpenale) werden in den USA verkauft. „Adidas“ und „Nike“ produzieren auch in Honduras.
Der gesetzlich festgelegte Mindestlohn ist 182 Dollar/Monat. Mit dieser geringen Menge kann man nicht leben (Reis- und Bohnenpreise wurden verdoppelt). Es ist zwar möglich etwas mehr zu verdienen, aber auskommen kann man damit trotzdem nicht gut.
Ungefähr 70% der Arbeitenden sind Frauen. Seit den 90er Jahren gibt es keine Kinderarbeit mehr im Textilbereich in Honduras. In Krankenstand zu gehen ist möglich, wird aber nicht gern gesehen. Natürlich braucht man eine Bescheinigung vom Arzt, wenn man keine vorweisen kann, gibt es Lohnabzüge.
In „Maquilas“ ist es für einen Menschen nicht möglich länger als 8 Jahre zu arbeiten.
Der Mutterschutz dauert 2 Monate, danach werden die Arbeiterinnen zwar wieder eingestellt, aber sie bekommen nicht wieder ihre alte Arbeitsstelle und müssen „springen“, sodass sie von selbst kündigen, weil es zu anstrengend ist. Die Abfertigung beträgt einen Monatslohn.
„Maquilas“ stehen in so genannten „Freihandelszonen“. (Für das Grundstück muss nicht bezahlt werden, es ist eine steuerfreie Zone.)
Es ist unglaublich wie schlimm die Menschen dort behandelt werden, wir als zukünftige Modedesigner sind natürlich darauf bedacht diese Verhaltensweise nicht zu unterstützen, auch wenn es billiger ist. Gute Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Kleidungsstücke stehen an erster Stelle.
Diese Vorsätze klingen natürlich schön und gut und es wäre ein Wunder, wenn man dass alles in der heutigen Gesellschaft wirklich umsetzen könnte. Die großen Firmenchefs schauen entweder weg oder geben sogar offen zu, dass ihre Textilien unter schlechten Bedingungen hergestellt werden. Die Gesetze in diesen Ländern sind anders als bei uns und so kann man ihnen nichts anhängen.
Aber durch solche Menschen wie Frau Rodríuez und Frau Henríquez werden den Menschen die Augen geöffnet und man kann ja auch nur als einzelner Mensch einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen leisten.
Frau Rodriguez hat erreicht, dass der Mutterschutz eingehalten wird, das Tragen von Schutzkleidung beim Färben wurde eingeführt und das Gründen von Gewerkschaften wurde vereinfacht. Außerdem bieten sie finanzielle Unterstützung für Arbeiterinnen bei Prozessen.
Solche Menschen sollte es auch weiterhin geben, sodass den Arbeitenden geholfen werden kann und sie nicht mehr so schlecht bezahlten Arbeiten leisten müssen.


Neue Webseite der CCK

Achtung: diese Webseite wird nicht mehr aktualisiert. Aktuelle Berichte der Clean Clothes Kampagne finden Sie unter: www.cleanclothes.at
Immer noch nützlich sind jedoch die zahlreichen Bildungsmaterialien zum Thema globale Zusammenhänge in der Textil- und Bekleidungsindustrie auf dieser Seite.