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Clean Clothes

Nord-Süd: Miteinander oder Gegeneinander?

Südwind organisierte in Kooperation mit der Clean Clothes Kampagne und der VHS am 10. November 2009 eine Gesprächsrunde rund um die Textilbranche und die Rechte der ArbeiterInnen in diesem Industriezweig.

Eingeladen waren Gerald Kreuzer, der Branchensekretär für Textil, Bekleidung und Leder des ÖGB, Doris Berghammer, von der Clean Clothes Kampagne in Österreich, sowie Gäste aus Honduras. Yadira Rodriguez, Expertin für Arbeitsrecht in Honduras und Iris Oneyda Henriquez, Näherin einer Maquila in Honduras, berichten über die prekäre Situation der ArbeiterInnen in ihrem Land.

Das T-Shirt „Made in Bangladesh“, die Hose „Made in China“, der Pulli „ Made in Honduras“: wenn wir unsere Kleidungsstücke genauer anschauen, sehen wir, dass unser Outfit aus aller Welt zusammengestückelt ist. Bereits seit den 1970er Jahren wird die Produktion der Kleidung in sogenannte Billiglohnländer ausgelagert. Ob Richtung Osten oder Süden, Unternehmen nutzen die Möglichkeit neue Standorte in Regionen zu errichten, wo sie neben Steuererleichterungen und billigen Arbeitskräfte, kaum Kontrollen der Arbeitsrechte auffinden.


Für die Bevölkerung in Honduras sind die von internationalen Unternehmen in Freihandelszonen errichteten Maquilas oft die einzige Möglichkeit zu arbeiten. Die TextilarbeiterInnen, hauptsächlich junge Frauen, nähen unter großem Zeitdruck im Akkord. Iris Oneyda Henriquez erzählt von eigenen Erfahrungen als Näherin: „Du bekommst 1200 Kleidungsstücke, die du an einem Tag nähen musst. Du musst so lange in der Fabrik bleiben bis du alles fertig genäht hast. Bis zu 12 Stunden am Tag.“

Die Expertin für Arbeitsrecht in Honduras, Yadira Rodriguez, betont die Problematik der Verlagerung von Produktionsstätten aus Honduras in noch billigere Länder, wie Nicaragua. „Die Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze, auch wenn es schlechte Arbeitsplätze sind.“

Hier soll auch das Bewusstsein der KonsumentInnen im Norden ansetzen. Denn es ist nicht nur wichtig sich über Arbeitsbedingungen zu informieren, sondern auch aktiv zu werden. Boykottiert man den Kauf von Kleidung aus Billiglohnländern sind die Menschen vor Ort die Leidtragenden. Sie verlieren ihre Arbeitsplätze und haben keine Alternativen. Es geht darum den internationalen Kleidungsproduzenten wie Adidas, Nike, usw. Druck zu machen, damit sie die Einhaltung von ArbeiterInnenrechten gewährleisten.


Das hat sich die Clean Clothes Kampagne, eine internationale Initiative, die sich für ArbeiterInnenrechte einsetzt, zum Ziel gesetzt. Doch was können KonsumentInnen hier in Österreich gegen die prekäre Arbeitssituation in Billiglohnländern unternehmen? Doris Berghammer (CCK) beantwortet die Frage aus dem Publikum: „Im Zentrum steht Druck auf Unternehmen auszuüben. KonsumentInnen können Briefe bzw. E-mails an Firmen schreiben oder Shop Cards ausfüllen, um mehr Transparenz im Produktionsprozess zu fordern. Aufgrund des wandelnden Bewusstseins der KonsumentInnen, müssen Firmen agieren. Ihr Ruf und Profit steht auf dem Spiel!“

„Die Arbeitsbedingungen sind sehr schlimm. Wir haben keine Verträge, kein Recht uns zu vereinen, wir machen viele Überstunden und die Arbeit ist eintönig.“ Iris Oneyda Henriquez, die 5 Jahre in einer Maquila arbeitete, sagt überzeugt: „Ich würde heute sicher nicht mehr dort arbeiten. Ich werde nie mehr dorthin zurückgehen.“ Mehr als 100 000 Maquila-ArbeiterInnen in Honduras haben jedoch keine Alternative. Deshalb ist es umso wichtiger an ihrer Arbeitssituation etwas zu ändern.







Neue Webseite der CCK

Achtung: diese Webseite wird nicht mehr aktualisiert. Aktuelle Berichte der Clean Clothes Kampagne finden Sie unter: www.cleanclothes.at
Immer noch nützlich sind jedoch die zahlreichen Bildungsmaterialien zum Thema globale Zusammenhänge in der Textil- und Bekleidungsindustrie auf dieser Seite.